Ist nach der Hochzeit alles anders?

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Ja, so rein theo­re­tisch ist eine Hoch­zeit eine büro­kra­ti­sche Ange­le­gen­heit, zwei Unter­schrif­ten auf einem Blatt Papier, oder ein Rechts­ge­schäft. In wie fern sollte sich die Ehe also auf die Bezie­hung zweier frisch Ver­mähl­ten, auf ihr Leben und auf ihr gan­zes Umfeld aus­wir­ken? Wir sind für Euch mal die­ser Frage auf den Grund gegan­gen und sagen: es ver­än­dert sich mehr als man meint!

1. Freund­schaf­ten
Die Bezie­hun­gen zu Freun­den wer­den nach einer Hoch­zeit oft­mals auf die Probe gestellt. Gerade der Umgang mit Single-Freunden ist oft schwie­rig. Klar, ihr habt das auch schon vor­her geschafft, doch nun seid ihr eben nicht mehr nur noch ihr, ihr seid der Teil einer klei­nen Fami­lien. Eure Spon­ta­ni­tät ist ein­ge­schränk­ter, und ein „Mädels­abend“ mit einer ver­hei­ra­te­ten Frau ist für Außen­ste­hende eben­falls oft selt­sam. Dazu kommt dann lei­der manch­mal noch das kleine grüne Mons­ter namens Neid. Ob nun von der Single-Freundin, die sich über­haupt erst mal einen Part­ner wünscht, von der in-einer-Beziehung-Freundin, die sehn­lichst auf einen Antrag ihres Liebs­ten war­tet oder von bereits ver­hei­ra­te­ten Freun­din, bei deren Ehe eben schon der erste Lack ab ist – sie gön­nen Euch selbst­ver­ständ­lich Euer Glück, freuen sich für Euch und schät­zen Euch noch immer als Per­son, doch die eigene Situa­tion macht es oft­mals schwie­rig dies dann auch so zu zei­gen.
Das Pro­blem ist dabei häu­fig, dass reden eigent­lich ein nicht wirk­lich guter Tipp ist, denn wel­che Frau gibt schon gerne zu, dass sie nei­disch auf ihre Freun­din ist?! Das heißt also für Euch, beob­ach­tet Eure Freunde und hal­tet Euch, sobald ihr merkt, dass es Eurem Gegen­über evtl. einen Stich ver­setzt, gege­be­nen­falls mit aus­la­den­den, kit­schi­gen und roman­ti­schen Geschich­ten ein wenig zurück.
Außer­dem: in der Zeit vor und wäh­rend der Hoch­zeit wart ihr DER Mit­tel­punkt. Macht Euch nun aber bewusst, dass ihr das nun nicht mehr seid und zeigt Euren Freun­den, dass sie sehr wich­tig sind!

2. Die Ein­heit
Ihr kennt das, bis jetzt wart ihr immer Sie und Er, zum Bei­spiel „Lara und Paul“. Zwei Indi­vi­duen, die oft­mals zusam­men genannt wur­den, doch immer noch ein­zeln für sich stan­den. Damit ist nun selbst­ver­ständ­lich Schluss. Aus „Lara und Paul“ wur­den „die Mül­lers“. Das mag sich anfäng­lich sicher­lich komisch anfüh­len, doch es gibt Euch auch das gebor­gene Gefühl eine Ein­heit zu sein.

3. Erste Schwie­rig­kei­ten mit den Schwie­ger­el­tern
Natür­lich hat­tet ihr bereits vor der Hoch­zeit eine Bezie­hung zu Euren Schwie­ger­el­tern, im Ide­al­fall eine sehr gute, wel­che auch so bleibt. Den­noch ändert sich auch in die­sem Ver­hält­nis etwas ganz ent­schei­den­des: Sie sind nun nicht mehr nur noch die Eltern Eures Part­ners, sie sind ab jetzt Eure Fami­lie, ihr seid nun ein Teil der Ihren. Das bringt neue Ver­pflich­tun­gen und eine neue Ver­ant­wor­tung mit sich. Dafür gilt das ebenso für sie. Schwie­rig wird es aller­dings, wenn Eure Schwie­ger­el­tern Euch zum Bei­spiel nicht mögen oder Eure Eltern nicht Euren Part­ner. Da wird nun aus einer gewis­sen Anti­pa­thie ganz schnell eine aus­ge­prägte Abnei­gung, die Eure noch so junge Ehe sehr belas­ten kann. Wich­tig daher ist, dass ihr stets offe­nen mit Eurem Part­ner dar­über redet und Euch tat­säch­lich darum bemüht die­sen Span­nun­gen ent­ge­gen zu wir­ken.

4. Erwar­tun­gen an eine bal­dige Schwan­ger­schaft
Es ist auch irgend­wie ver­ständ­lich: denkt man ein ein frisch ver­mähl­tes Paar denkt man auto­ma­tisch an kugel­runde Bäu­che und Ver­liebte, die durch Kauf­häu­ser schlen­dern, auf der Suche nach Kin­der­wa­gen, Stramp­lern und Baby­bett­chen. Dabei sieht die Rea­li­tät heut­zu­tage oft sehr anders aus. Nur weil man hei­ra­tet heißt es noch lange nicht, dass man bereit ist den Nach­wuchs zu pla­nen. Die Meis­ten haben eben noch einige andere Dinge auf ihrer To-Do Liste ste­hen – Von Kar­rie­re­plä­nen bis hin zu Orten, die man noch berei­sen möchte. Also, lasst Euch nicht aus der Ruhe brin­gen und gestal­tet Euer gemein­sa­mes Leben in Eurem Tempo und nach Euren Prio­ri­tä­ten.

5. Flirt­ver­su­che Frem­der
Ist doch klar, Euer Ange­trau­ter ist ein wun­der­vol­ler Mann und natür­lich sehen das auch viele andere. Lei­der gehen einige davon auch noch einen Schritt wei­ter und star­ten einen Ver­such bei Eurem Liebs­ten. Ist zwar auch schon vor Eurer Hoch­zeit vor­ge­kom­men, doch nun hat das einen ganz ande­ren Beige­schmack bekom­men. Ihr habt eine Fami­lie gegrün­det und den Bund fürs Leben geschlos­sen und nun kommt ein­fach eine Frau daher und will sich da dazwi­schen drän­gen. Konnte man frü­her sol­che Frauen noch belä­cheln, man war sich ja sei­nen Gefüh­len bereits bewusst und hatte den­noch nicht SO viel zu ver­lie­ren, so kann sich mitt­ler­weile eine aus­ge­prägte Eifer­sucht ihren Weg bah­nen. Wich­tig dabei ist, dass Ihr Euch stets bewusst macht, dass Eurer Mann sich bewusst für Euch ent­schie­den hat, dass er Euch und keine andere will. Also, schluckt Eure Eifer­sucht run­ter und ver­traut ihm – Er liebt Euch!

6. Erste große gemein­same Anschaf­fung
An die­sem Punkt wird es nun rich­tig ernst. Eine wich­tige Anschaf­fung, wie zum Bei­spiel ein Haus oder ein Auto, ist immer ein gro­ßes Ding und wird umso grö­ßer, wenn noch eine zweite Per­son mit an Bord ist. Sol­che Ent­schei­dun­gen soll­ten wohl über­legt sein und beide müs­sen voll und ganz hin­ter die­ser Ent­schei­dung ste­hen. Ihr stellt Euch am bes­ten bereits vor­her dar­auf ein einige Kom­pro­misse ein­ge­hen zu müs­sen, doch solange man im offe­nen Dia­log steht dürfte das gar nicht so schwer sein. Viel schwe­rer, bzw. Angst ein­flö­ßen­der ist dann doch eher die Vor­stel­lung gemein­sam mit einer ande­ren Per­son zum Bei­spiel die nächs­ten 30 Jahre ein Haus zu finan­zie­ren. Angst, weil man so schnell nicht mehr aus die­ser Sache raus kommt und vor allem Angst davor, dass man Feh­ler macht, sein Part­ner sich auf einen ver­lässt und man Schuld ist, wenn alles im Chaos endet. Doch genau da kommt der Punkt, an dem ihr mer­ken wer­det wie fan­tas­tisch es ist nun ver­hei­ra­tet zu sein. Denn jeg­li­che Zukunfts­ängste müsst ihr nun nicht mehr alleine durch ste­hen, ihr habt nun eine feste Stütze, den berühm­ten Fels in der Bran­dung. Bei jedem neuen Aben­teuer kämpft nun ein Kom­plize an Eurer Seite, der sich selbst­ver­ständ­lich auf Euch ver­lässt, aber genauso Euch auf­fängt, wenn ihr fallt. Wich­tig ist nur, dass ihr beson­ders in die­sem Punkt stets voll­kom­men ehr­lich seid, auch wenn es bei die­sem Thema oft beson­ders schwer fällt. Doch über­win­det Ihr diese Hürde, dann meis­tert Ihr zusam­men auch all die ande­ren, die Euch in Eurem Leben noch begeg­nen wer­den.

7. Ers­tes Weih­nachts­fest
Weih­nach­ten ist meis­tens für alle Paare eine orga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung, da der Ter­min­plan zweier Fami­lien, der an Tra­di­tio­nen geknüpft ist, kom­bi­niert und ein­ge­hal­ten wer­den muss. Vor allem weil unsere Fami­lien in der Regel ja sogar aus mehr als einer beste­hen, nicht alle immer gleich­zei­tig an einem Ort sind und man­che Fami­li­en­mit­glie­der auch noch weit weg woh­nen, ist es so schwer alles unter einen Hut zu bekom­men. Bis jetzt hat­tet ihr ja immer noch die Mög­lich­keit, wenn es gar nicht anders ging, euch auf­zu­tei­len, doch das geht jetzt nicht mehr so ein­fach. Die per­fekte Lösung scheint da natür­lich zu sein, sel­ber zum ers­ten Mal Gast­ge­ber eines Weih­nachts­fes­tes zu sein. Ihr könnt dann nicht nur Euren Zeit­plan nach Euren Vor­stel­lun­gen gestal­ten, son­dern auch der ganze Stress, der durchs hin- und her­fah­ren und den Ter­min­druck ent­steht, ent­fällt. Den­noch ist es nicht gerade ein­fach ein solch gro­ßes Fest aus­zu­rich­ten. Bereits finan­zi­ell gerät man da schnell an seine Gren­zen. Es emp­fiehlt sich daher, auch die­ses Fest vor­her genaus­ten durch zu pla­nen und seine Lie­ben um Hilfe zu bit­ten. Der schönste Punkt wenn man zum ers­ten Mal ein Weih­nachts­fest aus­rich­tet ist, dass man nun seine eige­nen Tra­di­tio­nen ein­füh­ren und fest­le­gen kann. Und wenn ihr diese Fei­er­tage dann gemein­sam durch­steht und meis­tert, wer­det ihr Euch ver­bun­de­ner füh­len als jemals zuvor.

8. Der erste große Streit
Eines Tages ist es soweit: der Honey­moon ist vor­bei und der Tag des ers­ten gro­ßen Streits ist da. Und wir mei­nen hier nicht eine klei­nen Mei­nungs­ver­schie­den­heit oder eine inten­sive Dis­kus­sion, wir mei­nen einen die­ser epi­schen Streits, bei dem Tel­ler geschmis­sen und Türen geknallt wer­den. Auch wenn Eure Streit­kul­tur hof­fent­lich weni­ger expres­siv und phy­sisch ist, ist die­ser Streit eine echte Bewäh­rungs­probe für jede junge Ehe. Denn Strei­ten will gelernt sein. Gerade in der Zeit nach einer Hoch­zeit schlum­mert in frisch Ver­mähl­ten oft­mals tief im Inne­ren eine bro­delnde Anspan­nung, die durch ver­schie­denste Ängste, das Abfal­len von Hoch­zeits­stress, äuße­ren Erwar­tun­gen und vie­len ande­ren Fak­to­ren genährt wird. Da reicht ein klei­ner Aus­lö­ser und das Pul­ver­fass explo­diert. An die­ser Stelle ist es nun wich­tig sich genau des­sen bewusst zu wer­den. Manch­mal ist es schon hilf­reich ein­fach ein bis­sen Abstand zwi­schen sich zu brin­gen, um die Gemü­ter zu beru­hi­gen. Beson­ders hilf­reich ist es zum Bei­spiel eine Rund jog­gen zu gehen und so die über­schüs­sige Anspan­nung abzu­bauen. Danach ist es aller­dings unum­gäng­lich, sich in aller Ruhe wie­der zusam­men zu setz­ten und offen über seine Gefühle zu reden. Desto frü­her Ihr lernt „rich­tig“ zu strei­ten, desto sta­bi­ler wird Eure Ehe sein!

9. Angst und Zwei­fel an der Ehe
Bei all den oben genann­ten Hür­den wer­den sie immer mal wie­der auf­kom­men: die Zwei­fel. Die Zwei­fel, ob die Ehe das Rich­tige ist, ob ihr den rich­ti­gen Part­ner gewählt habt, ob ihr alles rich­tig machen wer­det. Es ist sehr schwer mit die­sen Gefüh­len ent­spre­chend umzu­ge­hen, da man sich oft­mals für genau sol­che Gefühle schämt. Doch sie zu ver­schwei­gen oder gar vor sich selbst zu ver­leug­nen ist der größte Feh­ler, den man machen kann. Denn selbst­ver­ständ­lich wer­den sie nicht weg gehen und die Ängste wer­den immer grö­ßer wer­den. Ver­traut Euch also jeman­dem an, einer Freun­din, Eurer Mut­ter, oder Eurem Part­ner sel­ber. Gerade er hat viel­leicht die glei­chen oder ähn­li­chen Sor­gen und wird sehr erleich­tert sein, wenn er sie mit Euch tei­len kann. Macht Euch auf jeden Fall bewusst, dass diese Gefühle ganz nor­mal sind und geht mög­lichst offen mit ihnen um. So wer­den sie nie­mals eine ernst­hafte Belas­tung für Eure Ehe sein kön­nen.

10. Das erste Mal Ver­ant­wor­tung über­neh­men
Auch wenn man hofft, dass diese Momente nie­mals ein­tref­fen wer­den, so hat man gerade bei schwer­wie­gen­den Schick­sals­schlä­gen die Ver­ant­wor­tung für sei­nen Part­ner zu tra­gen. Ob es nun um einen medi­zi­ni­schen Not­fall geht oder um eine Gerichts­ver­hand­lung, als Ehe­part­ner hat man ganz beson­dere Rechte und Ver­pflich­tun­gen. Lei­der sind genau das die Momente, in denen man sein Part­ner mehr braucht denn je, doch nun muss man sich die­ser Situa­tion ganz alleine stel­len. Setzt Euch also früh­zei­tig zusam­men und spielt ver­schie­denste Sze­na­rien durch, egal wie absurd oder schreck­lich sie auch sein könn­ten. Besprecht, wie ihr wie mit die­sen Extrem­si­tua­tio­nen umge­hen wür­det, was ihr Euch wünscht oder erhofft. Erstellt Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen und sprecht Euch gegen­sei­tig Mut zu. So könnt ihr alles zusam­men schaf­fen.

Unterm Strich: Ja, es wird sich eini­ges ver­än­dern! Doch die meis­ten Ver­än­de­run­gen wer­den wun­der­voll sein. Die gol­dene Regel lau­tet: Sprecht stets offen über all Eure Sor­gen und Befürch­tun­gen, über Eure Hoff­nun­gen und Wün­sche. Macht Euch Tag für Tag bewusst, dass ihr Euch liebt und dass ihr zusam­men alles schaf­fen wer­det. So könnt ihr jede Hürde gemein­sam über­win­den und einer glück­li­chen Ehe und einem glück­li­chen Leben steht nichts mehr im Wege!

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Titel­bild: Jen­ni­fer Hejna